Die Macht der Pharmaindustrie

Pharmaindustrie & Krebsmedikamente

Heute möchte ich einen Artikel von Herrn Dr. med. Andreas Wasylewski zur Macht der Pharmaindustrie veröffentlichen.

Als Podcast-Episode ist der Artikel auf meinem Podcast –>> HIER zu hören.

Tabletten der Pharmaindustie

Die Umsätze der Pharmaindustrie liegen deutlich höher als der Durchschnitt in anderen Branchen – und besonders die Onkologie gehört zum wichtigsten Wachstumsmarkt überhaupt. Wir müssen feststellen: Das Geschäft mit Krebs boomt weiter und hat eine jährliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich (15-20%). Allein im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Pharmaindustrie weltweit erstmals über 100 Milliarden Dollar nur durch Präparate zur Krebsbekämpfung. Die Pharmaindustrie freut sich.

Neue Krebsmedikamente sollen die Chemotherapie zielgenauer machen, verspricht die Pharmaindustrie. Einige Wirkstoffe können sogar Wachstumsfaktoren der Tumoren ausschalten, die ständig die Vermehrung von Krebszellen fördern. Andere bremsen die Entstehung von kleinen Blutgefäßen, die den wachsenden Tumor mit Nährstoffen versorgen. Leider kosten alle Medikamente, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, nicht nur Geld, sie kosten sehr viel Geld, sie verschlingen Unsummen.

Die Kosten steigen, aber die Erfolgsrate nicht !

Denn börsennotierte Konzerne wie Roche, Merck und Novartis, die führenden Anbieter von Krebsmedikamenten, drückten für ihre Medikamente überzogene Preise durch. In den USA kostet heute eine komplette Krebsbehandlung im Jahr durchschnittlich um die 100.000 Dollar. Während sich die Unternehmen über den wachsenden Profit freuen, wächst bei Ärzten und Patienten die Sorge vor den steigenden Kosten und damit auch vor einem sozialen Desaster.

Vor zwanzig Jahren hat die Arzneimitteltherapie von Tumorerkrankungen in den USA im Monat noch durchschnittlich 500 US $ pro Patient gekostet, heute muss man schon über 10.000 US $ zahlen. Pikant dabei: die Erfolgsrate hat sich in vielen Bereichen kaum verbessert.

Arzt mit Patient

In Deutschland steigt die Zahl der Krebspatienten

Auch in Deutschland versuchen Firmen für Krebsmedikamente den höchstmöglichen Preis zu erzielen. Länder wie Frankreich oder Großbritannien verhandeln hart mit den Herstellern, um den Preis zu drücken. Sonst wird das Präparat dort von den Krankenkassen nicht oder nur teilweise erstattet. Besonders schnell steigen die Behandlungskosten in Deutschland und zugleich auch die Zahl der Krebspatienten. Laut aktuellen Daten vom Robert-Koch-Institut liegt das Risiko für Männer, im Lauf des Lebens an Krebs zu erkranken, bei 51 Prozent; für Frauen bei 43 Prozent. Tendenz steigend. Die „American Cancer Society“ schätzt, dass sich bis 2030 die Zahlen der Krebsfälle verdoppeln werden und weltweit 13,2 Millionen Krebstote zu erwarten sind.

Mehr als 15 Milliarden jährlich fließen in die Krebsbehandlung

In Deutschland fließen inzwischen knapp zehn Prozent der Gesundheitsausgaben in die Behandlung von Krebs. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind das mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr. Diese Kosten sind vor allem umstritten und aus Expertensicht nicht gerechtfertigt, weil viele dieser Mittel die Krankheit nicht heilen, sondern das Leben oft nur um einige Wochen oder Monate verlängern. Schon jetzt geben die Krankenkassen mehr als ein Viertel ihres Budgets für Spezialpräparate aus, wie Krebsmedikamente, die aber in der Summe nur zwei Prozent aller verschriebenen Medikamente ausmachen. Schätzungen zufolge sind derzeit ca. 400 neue Krebsmedikamente in der Erprobung. Eine Welle neu zugelassener Krebsmittel wird zu weiteren dramatisch höheren Kosten für das deutsche Gesundheitswesen führen. Die Mittel kommen immer schneller auf den Markt; viele werden in beschleunigten Verfahren zugelassen.

Wer legt eigentlich die Kosten fest?

Das deutsche Gesundheitssystem kann langfristig die Finanzierung solcher Behandlungen nicht verkraften. Deshalb muss die Öffentlichkeit verstehen, wie die Kostenberechnung der Pharmaindustrie funktioniert. Denn im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern können Pharmafirmen in Deutschland ihre Preise selbst bestimmen, was zu viel höheren Abgabepreisen in den Apotheken als im Ausland führt – zumindest gilt dies für viele Arzneimittel. Diese genannten Zahlen stehen in keinem Verhältnis zur Verbesserung der Therapien und damit für die Qualität der Behandlung. Stattdessen überbieten sich die Pharmafirmen im Kampf gegen Krebs mit immer neuen Krebsmedikamenten. Bei den Preisen gibt es keine Transparenz, keine Kostenkontrolle. Der Versuch der Bundesregierung, mit dem Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (Amnog) Kosten einzudämmen und eine neue Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit von Medikamenten zu erreichen, hat nicht viel gebracht. Nur das IQWiG als wissenschaftliches Institut des „Gemeinsamen Bundesausschuss“ (G-BA) hat in seinen ersten sieben Jahren insgesamt 214 neue Wirkstoffe bewertet.

Bilanz der neuen Wirkstoffe: Enttäuschend!

Bisherige Bilanz: Bei 124 (59 %) konnte kein Vorteil gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie gezeigt werden. In der Zeitschrift Clinical Oncology erschien im Jahre 2004 ein Artikel, in dem die Daten klinischer Studien mit Chemotherapien der letzten 20 Jahre in Australien und den USA untersucht wurden. Insgesamt wurden die Daten von 72.964 Patienten in Australien und 154.971 Patienten in den USA ausgewertet, die alle Chemotherapien erhielten. Hier kann wohl niemand mehr behaupten, das wären ja nur die Daten von ein paar Patienten und daher nicht relevant. Das Ergebnis war sehr enttäuschend. Obwohl in Australien gerade mal 2,3 % und in den USA sogar nur 2,1 % aller Patienten von einer Chemotherapie profitieren, in Bezug auf das fünfjährige Überleben wird trotzdem Krebspatienten immer noch angeraten, genau diese Therapien zu machen.

Wie ist es möglich, dass eine Therapie, die so wenig zum Überleben von Patienten in den letzten 20 Jahren beigetragen hat, gleichzeitig so erfolgreich in den Verkaufsstatistiken sein kann?

Werbung für Medikamente kostet viel Geld

Geld für Krebstherapie - für Pharmaindustrie

Um diese Arzneimittel im Markt zu etablieren, werden intensive Marketing-Anstrengungen von der Pharmaindustrie unternommen. Mehr als 90 % aller ärztlichen Fortbildungen sind noch immer von Pharmafirmen gesponsert. Die Ausgaben der Pharmaindustrie für Marketing kosten ca. 50–55 Prozent des Umsatzes, in die Forschung werden nur 15 Prozent investiert. Ein gutes Beispiel für Pharmamarketing ist das Präparat Avastin, das von dem Schweizer Pharmakonzern Roche hergestellt und seit 2005 als Mittel gegen Darmkrebs registriert ist. Im Laufe der Zeit erhielt es Zulassungen als Mittel gegen weitere Krebsarten, schließlich auch gegen Brustkrebs. Heute ist es eines der teuersten und zugleich meistverkauften Medikamente im Kampf gegen den Krebs.

Avastin 20mal teurer als eine Chemotherapie

Die Brustkrebsbehandlung mit Avastin kostet pro Jahr etwa 20-mal mehr als eine Chemotherapie. Während die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) den Einsatz des Medikaments Avastin im Juni 2011 gegen Brustkrebs erweiterte, entzog die US-Behörde Avastin die Genehmigung als Mittel gegen Brustkrebs ganz, weil durch das Medikament nicht nur kein Nutzen entstanden ist, sondern auch noch erhebliche Nebenwirkungen zu verzeichnen waren. Warum sich jedoch die zuständigen Stellen in den USA und der EU bezüglich Avastin uneins sind, wirft Fragen auf. Und ein Blick auf die Zusammensetzung des EMA-Expertengremiums, das über die Zulassung des Medikaments entschied, deutet auf eine skandalöse Erklärung: 6 der 10 unabhängigen Experten der EMA stehen in direktem oder indirektem Kontakt zum Hersteller Roche! Die EMA wurde 1995 gegründet und soll die Gesundheit von Mensch und Tier fördern und schützen, indem sie die Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln beurteilt. Erst wenn ein Medikament von der EMA für sicher und wirksam befunden und eine Genehmigung ausgestellt wurde, darf es in den Verkehr gebracht werden.

Legalität

Rechnungshof kritisiert Interessenkonflikte

Der Europäische Rechnungshof kritisierte EMA bereits für den Umgang mit Interessenkonflikten. Mehrere EMA-Mitarbeiter und sogar EMA-Direktoren haben zu verschiedenen Pharmaunternehmen gewechselt. Die Pharma-Branche hat Ärzten Geld für umstrittene Studien, Fortbildungen und Reisen bezahlt – mit der Hoffnung, dass diese bestimmte Medikamente bevorzugt verschreiben. 15 000 Pharmavertreter besuchen jährlich 20 Millionen Mal deutsche Praxen und Kliniken. Im April 2016 wurde das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen verabschiedet, mit dem neue Straftatbestände eingeführt wurden, die bis zu fünf Jahre Haft bei Bestechung oder Bestechlichkeit bedeuten. Das heißt, nicht nur der bestochene Arzt oder Apotheker, sondern auch der Pharmareferent lebt in Gefahr.

Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie

Um dem entstandenen Misstrauen, kritischen Meinungen, aber auch den Nachrichten um Korruption in der Pharmaindustrie zu entgegnen, haben forschende Pharma-Unternehmen besonders reagiert und haben eine Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie angeordnet. Zu den Unternehmen gehören große Pharmaunternehmen wie Bayer, Roche, GlaxoSmithKline, Novartis, Boehringer Ingelheim und Sanofi. Mit der jährlichen Veröffentlichung der Zahlen wollen die Unternehmen den Verdacht der Einflussnahme auf Ärzte nach eigenen Angaben ausräumen. So haben die beteiligten 54 Pharmaunternehmen erstmals im Juni 2016 die folgenden Daten veröffentlicht:

Insgesamt hat die Pharmaindustrie in diesem Jahr in Deutschland 575 Millionen Euro an Ärzte und Krankenhäuser gezahlt – für Studien, Weiterbildungen und Vortragshonorare. Spenden auch an Selbsthilfegruppen Die Pharmaindustrie versucht auch durch großartige Spenden, die Mitglieder von Selbsthilfegruppen als Werbeplattform für ihre Medikamente zu nutzen. Eine Auswertung dieser Spenden zeigt nun, dass jene Selbsthilfegruppen die meisten Industriespenden erhalten, die teuerste Medikamente benötigen.

Fazit

Die Pharmaindustrie sieht sich selbst als Garant für Gesundheit und ein langes Leben. Die vorgestellten Fakten sprechen allerdings mehr für eine nach wie vor nicht kontrollierbare Macht und für Gewinne um jeden Preis.


Das kann ich nur bestätigen, da ich selbst einige Jahre für Pharmaunternehmen tätig war.


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Betrug mit Krebsarznei?


Und nun wünsche ich dir ein paar erholsame Feiertage! Wir lesen & hören uns nächste Woche wieder! Bis dann!

Weihnachten

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